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Festschrift zum 100 Jahr Jubiläum


 

Vorwort

Als sich am 22. August 1908 um 20.30Uhr im Osterhalder Bären 14 Männer zwecks Gründung der Hornussergesellschaft Frauenfeld zusammenfanden, wussten sie noch nicht, was aus diesem Verein einmal werden würde. Sie wussten nichts über bevorstehende technische Änderungen der Spielgeräte, ein dickes Reglement, oder von den politischen und wirtschaftlichen Veränderungen, welche die Hornussergesellschaft Frauenfeld in den kommenden 100 Jahren miterleben sollte.

Der Anfang

Die Geschichte der Hornussergesellschaft Frauenfeld beginnt eigentlich schon zwei Jahre vor der Gründung der Gesellschaft, nämlich im Jahr 1906. Damals kauften sich die Gebrüder Karl, Ernst und Albert Studer in Osterhalden einen landwirtschaftlichen Betrieb. Auf ihren Feldern frönten sie zusammen mit einigen Bernern aus der Umgebung dem Hornussersport. Zuerst geschah dies in loser Vereinigung auf einem Holzbock, ab 1907 sogar auf einem Eisenbock. Nach und nach kamen mehr Spieler aus der Umgebung dazu, und so wurde am 22. August 1908 im Bären in Osterhalden die Hornussergesellschaft Frauenfeld gegründet. Im gleichen Jahr wurde der Spielplatz auf die kleine Allmend nach Frauenfeld verlegt.
Das erste Wetthornussen fand am 15. November in Frauenfeld gegen Winterthur statt, welches die Heimmannschaft mit 2 Nummern und 223 Punkten zu 6 Nummern und 257 Punkten gewann. Dies verpflichtete die Winterthurer, pro Mann einen Franken (Frauenfeld: 50 Centimes) an den gemeinsamen Zvieri mit einem Fässchen Bier zu bezahlen.
Im Jahre 1909 erfolgte der Eintritt der HGF in den Eidgenös-sischen Hornusserverband. Im gleichen Jahr gehörte Frauenfeld zu den Mitinitianten und damit auch Gründermitglieder des Ostschweizer Hornusserverband. Ebenfalls 1909 besuchten die Frauenfelder ersmals einen Hornussertag, nämlich in Zürich, und das eidgenössische Hornusserfest in Basel. Ansonsten bestand das Programm von 1909 aus 33 Übungen und zwei Wettspielen, eines wiederum gegen Winterthur, und eines gegen Schaffhausen.

Die ersten 50 Jahre

Über die folgenden Jahre, ausgenommen die Kriegszeiten, waren die Frauenfelder aktiv an vielen Hornusserfesten und Übungen anzutreffen, doch konnten einige Anlässe wegen "der Seuche", aus "Unpässlichkeit" oder "mangels Zustimmung" nicht besucht werden. Der sportliche Erfolg war durchzogen, es gab gute und weniger gute Jahre. Als Erfolg dürfen sicherlich die zwei 5. Plätze am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest 1911 in Zürich und 1948 in Luzern genannte werden. An den Eidgenössischen Hornusserfesten lief es vor allem 1939 in Biel, der elfte Rang durfte gefeiert werden, und 1952 in Bern mit dem Vorstoss unter die ersten zehn (9. Rang) rund.
Vornehmlich spielte sich das Hornusserleben aber in der Region ab, wo es damals noch viele Gesellschaften gab: Mit Gossau, Herisau, Mauren, Neuhausen, Schaffhausen, Stammheim, Uzwil oder Winterthur und später auch Elgg wurden regelmässig Wettspiele abgehalten.
Finanziell sah in der Anfangszeit ebenfalls noch alles etwas anders aus. Erst 1916 wurde ein Jahresbeitrag eingeführt, der damals noch 3 Franken betrug und 1927 auf 5 Franken erhöht wurde. Mit dem neuen Geld kauft man sich im Jahre 1928 einen neuen Doppel-Bock, der 20 Jahre halten sollte. Durch diese Einnahmen und die Durchführung von Festen konnte 1959 die erste Fahne eingeweiht werden.

Die zweite Hälfte

Nach dem zweiten Weltkrieg konnte der Radius für Wettspiele dank den motorisierten Mitgliedern erweitert werden. Es fanden deshalb auch immer mehr Spiele statt, die Aktivitäten der Frauenfelder nahmen zu. 1956 erfolgte der Standortwechsel von der kleinen auf die grosse Allmend, wo die HGF auch heute noch zu Hause ist. Allerdings folgte der Bau des in den Grundzügen noch heute bestehenden Hüttlis erst gut 15 Jahre später: Es konnte 1972 eingeweiht werden.
In der ganzen zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts organisierte die HGF einige bedeutsame Anlässe: 1956 wurde das Ostschweizer Interkantonale Hornusserfest mit 48 Gesellschaften an nur einem Tag durchgeführt, 1959 der Thurgauische Kantonale Schwingertag und 1966 die Mitarbeit am eidgenössischen Schwingfest in Frauenfeld. In der Folge fand das Ostschweizer Interkantonale Fest regelmässig in Frauenfeld statt: 1962, 1968, 1977, 1981 zum 75-jährigen Bestehen, sowie zum Abschluss 1986 und 1995.
Auch Sportlich war die zweite Hälfte der Geschichte immer wieder von Erfolgen gekrönt. So dürfen zum Beispiel die Trinkhorngewinne am Eidgenössischen Fest 1982 in Belp oder der 2. Rang in der 7. Stärkeklasse 1994 in Thörigen-Bleienbach genannte werden. Aber auch an interkantonalen Festen gab es immer wieder Hörner zu feiern: Alchenstorf und Obfelden (1992) hiessen, die für die Frauenfelder, erfolgreichen Festorte. In der neuen Schweizermeisterschaft startete Frauenfeld in der Untersten, der 6. Liga, konnte aber gleich im ersten Jahr aufsteigen. Die Erfolgsgeschichte ging weiter, und 1999 konnte gar der Aufstieg in die 2. Liga gefeiert werden.

Die Neuzeit

Nachdem die Gesellschaft gegen Ende des letzten Jahrhunderts einige Probleme zu bewältigen hatte, drehte sie in den letzten zehn Jahren stark auf. Zuerst kam der organisatorische Höhepunkt, als im Jahr 2000 das Eidgenössischen Hornusserfest in Frauenfeld stattfand. Zusammen mit den Freunden aus Winterthur durfte sich Frauenfeld für zwei Wochenenden zur Hauptstadt der Hornusser erklären. Der sportliche Höhepunkt folgte nur gerade zwei Jahre nach dem organisatorischen: Sensationell gewannen die Frauenfelder im Jahr 2002 am Eidgenössische Hornusserfest in Reiden die 6. Stärkeklasse. Zudem durften an den Hornusserfesten in Messen (2004), Herzogenbuchsee und Grenchen (beide 2005) Trinkhörner mit nach Frauenfeld entführt werden. In der Schweizermeisterschaft lief es ebenfalls rund: Nach dem Abstieg im Jahre 2003 in die 3. Liga folgte 2004 gleich der Wiederaufstieg in die 2. Liga. Nach der Einführung der Spielergemeinschaft mit der HG Schaffhausen auf das Jahr 2007 durfte sogar der Aufstieg in die 1. Liga gefeiert werden. Und auch dort waren die Ostschweizer sehr erfolgreich und verpassten den Aufstieg in die Nationalliga B in diesem Jahr nur knapp.

Umbruch oder Zusammenbruch

Die Mitgliederzahl der HGF schwankte während des ganzen Bestehens immer zwischen 20-30 Personen. Aufgrund dieser kritischen Grösse stand die HGF in den letzten 100 Jahren verschiedentlich vor der entscheidenden Frage über Sein oder Nichtsein. Wenn wichtige Vereinsstützen ihr Amt niederlegen oder die Aktivmitgliedschaft einstellen, bekommen vor allem kleine Vereine Probleme. Eine besondere Herausforderung ist vor allem, wenn eine Welle aus Überalterung und gesundheitlichen oder persönlichen Gründen über einen Verein schwappt und gleichzeitig mehrere Mitglieder verloren gehen. Der Verein ist dann in seiner Existenz bedroht.
Anfangs der 80iger Jahre stand die HGF an einem eben solchen Wendepunkt:
Die Mannschaft war überaltert, eine bewährte Führungscrew trat zurück und der Bestand an Vereinsmitgliedern war am untersten Limit. Der Zufall wollte es, dass just zu dieser Zeit ein neu zugewanderter Hornusser mit seinen drei Söhnen in den Verein eintrat und ihm damit neues Leben einhauchte. Er engagierte sich stark zu Gunsten der Nachwuchshornusser, welcher in der Folge einen regelrechten Boom erfuhr. Zusammen mit der HG Gossau gewannen die Frauenfelder im Jahr 1986 das Interkantonale Junghornusserfest in Messen mit 0 Nummern. Der Bestand des Nachwuchses stieg anschliessend auf 14 Spieler, welche in die Aktivmannschaft eingebaut werden konnte. Diese Spieler bilden heute das Rückgrat, sowohl in der Aktivmannschaft als auch der Vereinsleitung. Es ist schwierig zu sagen, wo die HGF ohne diesen Zufall heute stehen würde.
"Gleichschritt bedeutet Rückschritt" gilt auch für die HGF. Ein kleines Nachlassen in den Bemühungen um Nachwuchshornusser führte zu einem Stillstand in der Vereinserneuerung. Seit fünf Jahren wird nun wieder, mit sehr grossem Aufwand und zuletzt mit beachtlichem Erfolg, ein Nachwuchshornusserteam aufgebaut. Damit konnte, fünf vor zwölf, eine mittelfristige Existenzkrise des Vereins abgewendet werden. Es gilt nun, den eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen, und damit die Zukunft des Vereins sicherzustellen.
Auch der Eidgenössische Verband, und damit der ganze Hornussersport, muss sich früher oder später dem Spruch "Gleichschritt bedeutet Rückschritt" stellen. Nach dem Gleichschritt bei der Reglementsüberarbeitung befindet sich der Hornussersport in einer kritischen Phase. Über kurz oder lang wird auch er sich der Realität und dem Verlangen seines Umfeldes und seiner Mitglieder stellen müssen, und den Sport, den schon unsere Vorfahren betrieben, an die Gegenwart anpassen. Dazu braucht es marginale Änderungen, die nichts an der Idee von Schlagen und Fangen ändern. Allein die Diskussionen, die im Moment im Vereinsorgan oder auf dem Platz geführt werden zeugen davon, dass man sich mit den Problemen auseinandersetzt. Früher oder später wird auch das Hornussen nicht um Änderungen herumkommen, doch scheint es sinnvoller, zu agieren, anstatt zu reagieren. Denn wird weder agiert noch reagiert, befindet man sich auf dem Abstellgleis, von dem man nur durch grosse Anstrengungen und Zufall wieder wegkommen kann.
Das hat die Geschichte der HGF mehrfach gezeigt.

Schlusswort

Hans Grunder schrieb vor 50 Jahren: "Möge die Hornussergesellschaft Frauenfeld weiterhin bestehen und als eine Bewahrerin alten urchigen Volksspieles zum Ausgleich der hastigen, technischen Berufszeit und zur Gesundung von Körper und Geist." Auch heute erleben wir eine rastlose, vom technischen Fortschritt geprägte Zeit, in der Individualismus immer stärker betont wird. In einer solchen Zeit ist man froh, sich in eine Gemeinschaft zurückziehen zu können, mit der man so manches erlebt hat, das zusammenschweisst. Auf die sich ändernden Gegebenheiten muss man aktiv reagieren und sich positionieren, mit Erlebnissen, aber auch mit einer weitergehenden Förderung des Nachwuchses. In der Gemeinschaft muss etwas geboten werden, das alleine nicht erreicht werden kann. Erfolge müssen gemeinsam gefeiert, Niederlagen aber auch gemeinsam verdaut werden. Dann kommt es unweigerlich zu schönen Stunden, die Gemeinschaft rückt näher zusammen. Und wer zusammenarbeitet, dem winken wiederum Erfolge, die sich im gestärkten Gemeinschaftssinn widerspiegeln.
Möge deshalb die Hornussergesellschaft Frauenfeld weiterhin bestehen, sich den Veränderungen der Aussenwelt anpassen und ihre Entscheide mit Blick auf die Zukunft fällen. Der Wille zu aktiven Erneuerungen sowie zum Sport und der Gemeinschaft, bilden das Zentrum des Vereines. Damit kann er seinen Mitgliedern einen Ausgleich zum Alltag bieten, der weiterhin hastig und kurzlebig sein wird.

In Erwartung vieler Erlebnisse in einer verschworenen Gemeinschaft
Christian Büchi,  HGF